ICD 11

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ICD 11

Beitrag von Liv-Lisette » Mo 8. Mai 2017, 20:37

DER BETA-ENTWURF DES ICD-11 KAPITELS ÜBER PSYCHISCHE
UND VERHALTENSSTÖRUNGEN
WHO Zentrum für Zusammenarbeit in Forschung und Training Psychischer Erkrankungen, Neapel, Italien


Die 11. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) wird im Jahr 2018 veröffentlicht werden.

Dieser Entwurf enthält die Definitionen der verschiedenen Erkrankungen (Zusammenfassung von etwa 100 bis 125 Wörter pro Definition), die Ein- und Ausschluss Bedingungen, und - für einige Erkran-
kungen - die Definitionen der Kennzeichen/Unterarten.

Die endgültige Fassung der ICD-11 Leitlinien für die klinische Beschreibung und diagnostischen Richtlinien wird weiters für jede Störung eine Beschreibung der wesentlichen (erforderlichen) Funktionen enthalten, eine Charakterisierung der Abgrenzung der Störung zur Normalität (Schwelle für die Diagnose) und zu anderen Störungen (Differentialdiagnose) und eine Beschreibung der Verlaufsmerkmale, zugeordnete klinische Darstellung, kulturspezifische Merkmale, Entwicklung des Krankheitsbildes und geschlechts-
spezifische Merkmale (First et al. 2015).

In der Gruppierung der Ernährungs- und Essstörungen wurden Subtypen der Anorexia nervosa „mit gefährlich niedrigem Körpergewicht“ und „mit deutlich geringem Körpergewicht“ aufgenommen und die neue Kategorie der vermeidend-restriktiven Essstörung (Avoidant-restrictive food intake disorder; ARFID) eingeführt (siehe Al-Adawi et al. 2013).

Psychiatria Danubina, 2016; Vol. 28, No. 3, pp 304-306
WPA News
© Medicinska naklada - Zagreb, Croatia


_____________

Neu vs. alt (ICD 10:11, DSM 4:5)

6B10 Anorexia nervosa

Anorexia Nervosa zeichnet sich durch ein signifikant geringes Körpergewicht für die Höhen-, Alters- und Entwicklungsstufe des Individuums aus (Body Mass Index (BMI) von weniger als 18,5 kg / m2 bei Erwachsenen und BMI-für-Alter unter fünfter Perzentil bei Kindern und Jugendlichen) Das geringe Körpergewicht wird von einem anhaltenden Verhaltensmuster begleitet, um die Wiederherstellung des normalen Gewichts zu verhindern, was Verhaltensweisen beinhalten kann, die darauf abzielen, die Energieaufnahme zu reduzieren (eingeschränktes Essen), Spülverhalten (z. B. selbstverursachtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln) und Verhaltensweisen bei steigendem Energieaufwand (zB übermäßiger Bewegung), typischerweise mit einer Angst vor Gewichtszunahme verbunden. Niedriges Körpergewicht oder Form ist zentral für die Selbstevaluation der Person oder wird ungenau wahrgenommen, um normal oder sogar übertrieben zu sein.

B10.1 Anorexia Nervosa mit deutlich niedrigem Körpergewicht

Anorexia Nervosa mit deutlich niedrigem Körpergewicht erfüllt alle Definitionsanforderungen für Anorexia Nervosa, mit BMI zwischen 18,5 kg/m2 und 14,0 kg/m² für Erwachsene oder zwischen dem fünften Perzentil und dem 0,3-Perzentil für BMI-für-Alter bei Kindern und Jugendlichen).

6B10.2 Anorexia Nervosa mit gefährlich niedrigem Körpergewicht

Anorexia Nervosa mit gefährlich niedrigem Körpergewicht erfüllt alle Definitionsanforderungen für Anorexia Nervosa, mit BMI unter 14,0 kg / m² bei Erwachsenen oder unter dem 0,3-Prozent-Perzentil für BMI-für-Alter bei Kindern und Jugendlichen. Im Zusammenhang mit Anorexia Nervosa ist ein schwerer Untergewichtsstatus ein wichtiger prognostischer Faktor, der mit einem hohen Risiko körperlicher Komplikationen und einer deutlich erhöhten Mortalität einhergeht.

6B10.Y Andere spezifizierte Anorexie Nervosa
6B10.Z Anorexia Nervosa, nicht spezifiziert



6B11 Bulimia Nervosa

Bulimia Nervosa ist gekennzeichnet durch häufige, wiederkehrende Episoden von Binge Eating (z. B. einmal pro Woche oder mehr über einen Zeitraum von mindestens einem Monat). Ein Binge-Essen-Episode ist eine ausgeprägte Zeitspanne, in der das Individuum einen subjektiven Verlust der Kontrolle über das Essen erlebt, etwas mehr oder anders als gewöhnlich isst und fühlt sich nicht in der Lage das Essen zu stoppen oder die Art oder Menge der gegessenen Nahrung zu beenden. Das Binge-Essen wird von wiederholten unangemessenen kompensatorischen Verhaltensweisen begleitet, die darauf abzielen, Gewichtszunahme zu verhindern (z. B. selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln oder Einläufen, anstrengende Übung). Das Individuum beschäftigt sich mit Körperform oder Gewicht, was die Selbstevaluation stark beeinflusst. Das Individuum ist nicht signifikant untergewichtig und entspricht daher nicht den diagnostischen Anforderungen der Anorexia Nervosa.


6B12 Binge eating disorder

6B13 Avoidant-restrictive food intake disorder
6B14 Pica
6B15 Rumination-regurgitation disorder
6B1Y Andere spezifizierte Futter- oder Essstörungen
6B1Z Fütterungs- oder Essstörungen, nicht näher bezeichnet



____
ACHTUNG:
Dies ist lediglich die Beta-Version.
Die BETA-Version ist noch nicht offiziell veröffentlicht. Es wird derzeitig noch immer nach dem ICD10 Schlüssel diagnostiziert.
Darüber hinaus ist die BETA-Version noch nicht vollständig erarbeitet, kann noch umgeschrieben und erweitert werden!!!!
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Re: ICD 11

Beitrag von Greta-FeliCzitas » Mo 8. Mai 2017, 22:44

Der BMI für anorektiker wird ja immer höher gelegt..... finde ich schon komisch, echt...
18,5 ???
Aber gut, ich finde das ja eh auch etwas koisch, sowas am Gewicht fest zu machen :?

Tarja

Re: ICD 11

Beitrag von Tarja » Di 9. Mai 2017, 07:19

Eben, Greta.
Das stört mich auch total!
Essstörungen sind mehr als nur das Gewicht.

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Re: ICD 11

Beitrag von Greta-FeliCzitas » Di 9. Mai 2017, 08:59

Aber ein wenig faszinierend finde ich es schon, dass man dann sogar ab nem BMI unter 18,5....früher war es 16,5 heute 17,5....schon als anorektsch gilt.
Wenn man aber mal auf der Straße "normale" Leute, die sich nicht mit Essstörungen beschäftigen fragt, sagen die meisten, bei Leuten mit nem 17er BMI, dass sie schlank seien, aber doch noch nicht krank aussehen. Selbst bei mir mit 16,3 meinten das noch viele. Also, dass ich dünn sei, aber ne krank aussehen würde.
Wobei ich den BMI generell auch langsam etwas fragwürdig finde.

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Re: ICD 11

Beitrag von Liv-Lisette » Di 9. Mai 2017, 11:02

Ich stimme euch voll und ganz zu.
Auf der anderen Seite habe ich schon mehrfach gelesen, dass der BMI hochgesetzt wurde, um eben frühzeitiger handeln und BEhandeln zu können.
Und eines wissen wir ja alle.
Je früher behandelt wird, desto besser stehen auch die Behandlungs-Chancen.

Darüber hinaus ist der BMI ja auch nur EIN Kriterium für die Anorexia.
Das heißt:
Nur weil man einen zu niedrigen BMI aufweist, aber alle anderen Kriterien NICHT zutreffen, wird es auh nicht als solchs Diagnostiziert.
Anders bei anderen psychischen Erkrankungen sollte/muss ja bei der Anorexia nervosa ALLE Kriterien erfüllt sein um diese auch zu diagnostizieren!
So zumindest MEIN Wissen darüber!
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Lennya

Re: ICD 11

Beitrag von Lennya » Do 22. Jun 2017, 16:58

Bei dem Gewichtskriterium geht es meines Wissens auch darum, dass in Spezialfällen die Anorexie mit Purging von der Bulimie abgegrenzt wird. Daraus ergeben sich nämlich unterschiedliche Behandlungsempfehlungen bzgl stationärer und ambulanter Behandlung.

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Re: ICD 11

Beitrag von Greta-FeliCzitas » Do 22. Jun 2017, 18:31

Oka....bei ir hieß es in den Therapien immer, dass wir alles glech behandeln-egal welchen Namen meine ES trägt.
Ich wollte nämlich auch immer unterscheiden.

Lennya

Re: ICD 11

Beitrag von Lennya » Do 22. Jun 2017, 18:48

Naja es gibt sicher unterschiedliche Handhabungen aber es gibt halt so genannte S3 Richtlinien nach denen Therapiemethoden empfohlen werden. Nicht dass man die zwingend wählen muss, aber die haben halt die besten Effekte gezeigt.
Beim BMI Kriterium geht es wie gesagt auch viel um die Entscheidung stationär/nicht stationär, da man grad so Sachen wie multiples Organversagen, was einfach bei einem niedrigeren BMI wahrscheinlicher auftritt (was nicht bedeutet, dass das nicht auch bei NG vorkommt, wenn einfach bestimmte Makro/Mikro Nährstoffe komplett aufgebraucht sind) verhindern will.

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Re: ICD 11

Beitrag von Liv-Lisette » Fr 8. Feb 2019, 11:15

Hier ist nochmal ein Artikel über die ersten Ergebnisse zu ICD-11

https://www.researchgate.net/profile/Vo ... ation_list

Insgesamt gesehen sei der ICD-11 wohl sinniger.
Im deutschsprachigen Raum gibt es den aber noch immer nicht und wird wohl auch nicht vor 2020 umgesetzt werden.
Zur Zeit gibt es ICD-11 nur auf englisch, was auch (so wie ich das verstanden habe) den ersten Test ein wenig erschwerte.
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Timeless_

Re: ICD 11

Beitrag von Timeless_ » So 16. Jun 2019, 08:10

Eine Essstörung am BMI festzumachen, finde ich stark problematisch. Denn -leider-, offenbar vor allem in der KJP sehen es genauso. Die (meist) Jugendlichen, bekommen so keine Unterstützung, weil nicht ihr Leiden gesehen wird, sondern vielmehr das Gewicht, das ggf. noch etwas höher ist. Wobei ein BMI von 18,5 tatsächlich sehr hoch ist. Schon öfter habe ich mitbekommen, dass Jene, die sich Unterstützung gesucht haben, abgewiesen wurden, weil sie einen halbwegs "normalen" BMI gehabt haben. Dass sie aber in kürzester Zeit (3 Monate) ca. 20 kg abgenommen haben, dass sich ihr Essen stark auf das Essen konzentriert (anstatt auf Schule), dass sogar Kreislaufprobleme, Haarausfall, [...] auftreten, wird nicht gesehen.

Wobei ich es ebenso problematisch finde, wenn es in Kliniken lediglich um die Gewichtszunahme geht. Ja, es kann erst ab einem gewissen BMI eine *tiefgehendere Therapie* stattfinden, aber so manche halten es so: "Du hast einen normalen BMI, also bist Du wieder gesund". Und doch schlummern die Gedanken weiter..... (worauf auch nicht im ICD 11 eingegangen wurde).....

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